Neuer Ansatz: Alternative Anlagen werden immer beliebter

Alternative Anlagen sind in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Portfolios geworden, weil das Erzielen von Erträgen und eine geringe Korrelation mit traditionellen Anlageklassen enorm an Bedeutung gewonnen haben. Wie gehen britische Vermögensverwalter bei dieser Anlageklasse vor?

Die Suche nach Erträgen und der Schutz durch unkorrelierte Renditen nehmen einen hohen Stellenwert ein, sodass sich Alternative Anlagen in den letzten Jahren zur festen Grösse in den Portfolios entwickelt haben.

Da der längste Aufschwung aller Zeiten Anzeichen von Schwäche zeigt, ist es entscheidend sicherzustellen, dass das Anlageportfolio wirklich diversifiziert ist. Dies gilt umso mehr, da Staatsobligationen, die lange Zeit als Absicherung in einem einfachen 60/40-Portfolio galten, nur noch geringe Erträge abwerfen und in den letzten Jahren oft eine hohe Korrelation zu Risikoanlagen aufwiesen, insbesondere in Phasen mit Inflationsängsten. Dies erklärt den unschätzbaren Wert, den Alternative Anlagen für Berater und Anleger haben.

«Es geht darum, alternative Ertragsquellen zu finden», erklärt Tom Davies, Senior Investment Manager bei Quartet Investment Managers. «Wir setzen auf Fondsmanager, die eine alternative Renditequelle in unseren Kundenportfolios darstellen.»

Weil Erträge und der Schutz durch unkorrelierte Renditen einen hohen Stellenwert einnehmen würden, seien Alternative Anlagen seit einigen Jahren fester Bestandteil der Portfolios, sagt Kelli Byrnes, Beraterin im Portfolio and Solutions-Team von BlackRock.

Die Verlangsamung des Wachstums, die anhaltenden Handelskonflikte und die anschliessende Abwertung des Yuan durch China haben das Volumen der Obligationen mit negativen Renditen Anfang August 2019 auf einen Rekordwert von 14 Billionen Euro steigen lassen. Obwohl die Zentralbanken ihre Geldpolitik zuletzt gelockert haben, ist es fraglich, ob dies reicht, um die schwächelnde Weltwirtschaft anzukurbeln.

Die viel zitierten «grünen Triebe» sucht man bisher jedenfalls vergeblich, und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass das globale Wachstum seinen Tiefpunkt erreicht hätte.

«In den von uns beobachteten Portfolios belaufen sich die Allokationen in alternativen Anlagen relativ gleichmässig auf 20 % bis 25 %, und zwar über alle Risikoprofile hinweg», so Byrnes. «Die Gründe dafür, also die Gefahr einer Rezession oder die anhaltend niedrigen Renditen, dürften bestehen bleiben. Die Nachfrage nach echten Diversifikatoren, echtem Alpha und höheren Renditen wird also nicht nachlassen.»

Schutz gegen Verluste

Neben der Suche nach alternativen Ertragsquellen hat die Notwendigkeit, das Portfolio für den Fall eines globalen Konjunktureinbruchs abzusichern, dazu geführt, dass marktneutrale Strategien – wie Long/Short Equity, Absolute-Return-Fonds und Trendfolgefonds – in letzter Zeit viel populärer geworden sind. Die Kunden können so über den gesamten Konjunkturzyklus investiert bleiben und sind nicht gezwungen, Cash-Positionen aufzubauen oder in Obligationen anzulegen, die nur niedrige Renditen abwerfen.

«Unser Fokus liegt momentan auf Long/Short Equity», erklärt Jessica Milsom, Senior Associate bei Stonehage Fleming. «Dies hat unser Anlageausschuss genutzt, um das Exposure zu erhöhen und das Aktien-Beta zu reduzieren. Es wäre erfreulich, etwas Ähnliches im Kreditbereich zu finden, aber ich sehe kaum Veränderungen in der Philosophie und der Herangehensweise an die Anlageklasse.»

Selbst wenn es den Zentralbanken gelingt, das globale Wachstum und die Nachfrage wiederzubeleben, und ein starker Abschwung vermieden werden kann, spricht vieles dafür, dass die Renditen traditioneller Anlageklassen wie Aktien und Obligationen enttäuschend ausfallen werden.

«Traditionelle Anlageklassen und damit auch 60/40-Portfolios werden wahrscheinlich nicht so hohe Renditen erzielen wie in der Vergangenheit.»

William Dinning, Chief Investment Officer von Waverton Investment Management

Der demografische Wandel dürfte das Wachstum in China, Europa und den USA belasten, wie dies bereits in Japan der Fall ist, während die Bewertungen von Obligationen und Aktien in vielen Teilen der Welt historische Höchststände erreicht haben. Dadurch besteht weniger Spielraum für weitere Kurssteigerungen, während das Verlustrisiko in diesen Märkten im Falle einer Rückkehr zum Mittelwert beträchtlich ist. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die Ergebnisse des letzten Jahrzehnts, das eines der besten für Anleger aller Art war, wiederholt werden.

«Traditionelle Anlageklassen und damit auch 60/40-Portfolios werden wahrscheinlich nicht so hohe Renditen erzielen wie in der Vergangenheit», bemerkt William Dinning, Chief Investment Officer von Waverton Investment Management. «Die Nachfrage nach alternativen Anlagen dürfte anhalten, sodass noch mehr Geld in dieses Anlageuniversum fliesst.»

Er fügt hinzu: «Wir suchen nach Wegen, um die Schwankungen und Verluste im Portfolio zu reduzieren. Doch die Anleger suchen auch nach Möglichkeiten, Erträge und Kapitalgewinne – kurz eine Gesamtrendite – zu erzielen. Anleger und Berater werden sich intensiver mit alternativen Anlagen beschäftigen müssen, in die sie in Zukunft aller Voraussicht nach viel mehr Geld investieren werden[1]

1: [Der Fonds/Die Strategie] sollte, absolut gesehen, nicht als risikoarm betrachtet werden und ist möglicherweise nicht für vorsichtige Anleger geeignet.

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