Der grosse Wetterumschwung

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Investoren ziehen sich zurück, weil ein rauer Wind die traditionellen Anlageklassen durcheinander wirbelt

Zu Beginn des Winters holen die Hausbesitzer in der ganzen Schweiz traditionell ihre Schaufeln aus dem Keller, um bereit zu sein, wenn der erste Schnee kommt.

In diesem Jahr bereiten sich die Schweizer jedoch auch auf eine andere Art von Wetterumschwung vor: Während der finanziell kalte Gegenwind die Aktienmarktrenditen austrocknet, wechseln viele Investoren auf der Suche nach Diversifizierung zu alternativen Anlagen.

Der lange Winter

Die Bedingungen in den traditionellen Anlageklassen sind seit einiger Zeit eher ungünstig. Der Schweizer Nominalsatz ist seit 2015 negativ1, sodass vorsichtige Investoren ihr Kapital nicht einfach vorübergehend in Bareinlagen anlegen und in Ruhe ihr weiteres Vorgehen planen können. Wird auch die (niedrige) Inflation in der Schweiz berücksichtigt, sind die Auswirkungen auf Barguthaben noch schlimmer.

Schweizer Anleger sind für ihre Vorsicht bekannt und haben eine Affinität zu sicheren, ertragsreichen Vermögenswerten. In vielen der grossen Banken werden die Kurse auf Bildschirmen an den Wänden angezeigt. Aber auch zehnjährige Schweizer Staatsanleihen sind negativ, weshalb die Anleger — in der Schweiz und weltweit — gezwungen sind, andere Renditequellen zu suchen, um ihre Anlageziele zu erreichen.2

Zum Glück gibt es einen alternativen Weg. Die Schweiz hat den Ruf, eine der vielfältigsten Quellen und einer der am besten verwalteten Orte für Alternative Anlagen weltweit zu sein, und die Anleger nutzen das.

Für die Pensionskassen an der Spitze dieser Bewegung hat diese Diversifizierung bereits Früchte getragen, wobei insbesondere die Leveraged-Buyout-Fonds die öffentlichen Märkte in allen wichtigen Regionen übertroffen haben.

Diese Bedingungen haben in den letzten 20 Jahren eine globale Kapital Migration gefördert, wobei die sieben grössten Rentenmärkte einen Rückgang der Aktienallokationen um 20% verzeichneten, während die Ströme in Richtung Immobilien und andere alternative Kategorien um 19% zunahmen.1 Schweizer Investoren verfügen über eines der weltweit höchsten Engagements in alternativen Anlagen. Nur die USA haben ein vergleichbares Engagement (siehe Grafik 1).

Da sich aber immer mehr Investoren dieser Entwicklung anschliessen, suchen die etablierten Marktteilnehmer nach neuen, diversifizierten Einnahmequellen.

 

Eine schöne neue Welt

Die heutige Landschaft der alternativen Anlagen ähnelt nur noch in geringem Masse der Lage, die unerschrockene Investoren vor einem Jahrzehnt vorgefunden haben. Hedgefonds, Rohstoffe und Private Equity — die im Jahr 2010 über 90% der alternativen Allokationen der Schweizer Pensionskassen ausmachten — haben ihre Dominanz verloren. Heute machen diese Anlageklassen knapp 55% der Gelder aus, die in Alternative Anlagen fliessen, da die inländischen Pensionskassen auf ihrer Suche nach immer grösseren Quellen für zuverlässige und diversifizierte Renditen auf private Schuldverschreibungen, versicherungsgebundene Wertpapiere und Infrastrukturtitel setzen (siehe Grafik 2).

Preqin Private Capital in Switzerland

Quelle: Thinking Ahead Institute, Global Pension Assets Study 2019, Februar 2019

Diejenigen, die bereit waren, ihre Komfortzone zu verlassen, wurden unabhängig von ihrer Allokation im Universum der alternativen Anlagen fürstlich belohnt. Insgesamt haben die alternativen Anlagen das Anlagemarktwachstum über drei, fünf und zehn Jahre weltweit übertroffen. Dies gilt auch, wenn man den Schweizer Markt genauer unter die Lupe nimmt. Eine Studie über die Private-Equity-Investitionen von mehr als 500 Schweizer Pensionskassen ergab, dass die Private-Equity-Fonds über ihre gesamte Laufzeit zwischen 9% und 19% besser abschnitten als der breitere öffentliche Aktienmarkt, was eine durchschnittliche Rendite von 9% ergibt — womit diese deutlich vor den wichtigsten Aktienindizes des öffentlichen Marktes liegen4.

Aber es liegen noch mehr Chancen brach, denn das Universum der alternativen Anlagen ist für viele noch relativ unerforscht: Das Engagement bei den einzelnen Endinvestoren ist immer noch geringer als der Anteil der alternativen Anlagen am Gesamtmarkt. Viele Menschen zögern verständlicherweise, sich von den bewährten Anlageklassen, die ihnen in der Vergangenheit gute Dienste erwiesen haben, abzuwenden. Anleger sind misstrauisch gegenüber bestimmten Merkmalen, die mit alternativen Anlagen verbunden sind, wie z. B. Illiquidität und Abwärtsrisiken, die wir in Marktmythologie, dem zweiten Artikel dieser Serie, untersuchen werden.

Dennoch hat sich das Gleichgewicht bei den öffentlichen Vermögen verschoben, wobei billiges Geld zu hohen Bewertungen und niedrigen Renditen geführt hat. Anstatt eine risikoreiche Reise ins Unbekannte anzutreten, könnten diejenigen, die bereit sind, sich in dieses Universum der alternativen Anlagen zu wagen, mit positiven Einnahmen zu vernünftigen Bewertungen belohnt werden.

1 Bloomberg, Schweizer Staatsanleihen 10-jährige Note Generic Bid Yield, Dezember 2019

2 Bloomberg, Schweizer Staatsanleihen 10-jährige Note Generic Bid Yield, Dezember 2019

3 Quelle: Thinking Ahead Institute, Globale Studie über Pensionsvermögen 2019, Februar 2019

4 The Journal of Private Equity, Daniel Steger, Die Renditen von Private-Equity-Fonds: Eine Schweizer Perspektive, Februar 2017

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