Due-Diligence Anforderungen: Sind Alternative Anlagen für alle geeignet?

Halten Alternative Anlagen, was sie versprechen? Due-Diligence-Prüfungen nehmen heute eine wichtige Rolle ein, vor allem bei der Berichterstattung gegenüber Kunden. Fondsmanager müssen mehr denn je beweisen, dass sie echten Mehrwert bieten. Worauf Vermögensverwalter bei der Auswahl alternativer Anlagen achten.

Ob Alternative Anlagen ihren Ansprüchen über den gesamten Marktzyklus hinweg gerecht werden, wird kontrovers diskutiert.

«Viele dieser Fonds haben sich während der Finanzkrise und in den Jahren danach sehr gut entwickelt. Es ist interessant, dass viele anschliessend in Schwierigkeiten geraten sind – auch solche, die in der Zeit viel Geld gewonnen hatten», sagt William Dinning, Chief Investment Officer von Waverton Investment Management.

Das Ende der negativen Korrelation zwischen Aktien und Obligationen seit 2013 sei Teil des Problems gewesen, fügt er hinzu.

«Es gab anschliessend viele Phasen, in denen die Korrelation positiv war. Das macht es äusserst schwierig, einen Fonds zu managen, dessen Strategie darin besteht, in unkorrelierte Anlagen zu investieren, um eine unkorrelierte Rendite zu erzielen», so Dinning.

Tom Davies, Senior Investment Manager bei Quartet Investment Managers ist ebenfalls der Auffassung, dass Absolute-Return-Strategien mit Schwierigkeiten konfrontiert waren. «Ein Teil des Problems ist ein übertriebenes Risikomanagement, das zulasten der Rendite geht. Wenn man auf eine sehr niedrige Volatilität abzielt, kann dies zu einer negativen Realrendite führen.»

Darüber hinaus sei für die Portfoliokonstruktion eine bedeutende Volatilität erforderlich, um einen echten Ausgleich gegenüber anderen Anlageklassen zu erzielen, betont er. Durch ihr niedriges Volatilitätsprofil sei die Wirksamkeit einiger Absolute-Return-Produkte im Rahmen des Risikomanagements begrenzt.

«Das war ein echtes Problem im Absolute-Return-Segment. Wir tendieren eher zu den Fonds mit höherer Volatilität, was für sich genommen vielleicht überrascht. Doch diese Fonds verringern das Risiko unseres Gesamtportfolios, weil sie eine beachtliche unkorrelierte Rendite erzielen», sagt er.

Die Bedeutung von Due-Diligence-Prüfungen bei herkömmlichen Fonds wurde kürzlich diskutiert und ist natürlich auch bei alternativen Anlagen ein wichtiges Thema. Für Shane Balkham, Chief Investment Officer von Beaufort Investment, ist das Verständnis der zugrunde liegenden Strategien von entscheidender Bedeutung. Doch gerade die Kommunikation mit Kunden könne eine Herausforderung darstellen.

«Wir hatten viele Diskussionen mit Kunden, die uns fragten, warum wir nicht in diese oder jene Anlage investierten. Am Ende stellte sich unsere Entscheidung als richtig heraus, doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen wir sicher unter besonderer Beobachtung. Wir verweisen gerne darauf, dass wir nach unkorrelierten und nicht nach unbeabsichtigten Renditen suchen», sagt er.

Letztlich gehe es auch darum, die Kunden aufzuklären, meint er. «Wenn man einen Fonds hat, dessen Performance in einem engen Spektrum liegen soll, und alle anderen Fonds eine höhere Rendite erzielen und sich äusserst gut entwickeln, schauen die Kunden auf den Ausreisser und fragen, warum er nicht so gut abgeschnitten hat wie die anderen Fonds. Dann erklären wir ihnen, dass wir versuchen, ein diversifiziertes Portfolio zusammenzustellen, bei dem sich die einzelnen Komponenten in unterschiedlichen Phasen unterschiedlich entwickeln», sagt er.

Verstärkte Prüfung

Im Due-Diligence-Kontext ist es für Jessica Milsom, Senior Associate bei Stonehage Fleming, entscheidend, die langfristigen Track Records zu prüfen. Sie konzentriert sich derzeit auf Long/Short-Equity-Strategien.

«Wir sind sehr langfristige Investoren, die in der Regel über den gesamten Konjunkturzyklus investieren. Bei den Managern, die für eine Allokation infrage kommen, achten wir auf die Kontinuität des Anlageprozesses und ein starkes Risikomanagement. Fundierte Expertise auf der Short-Seite ist auch sehr wichtig», betont sie.

Wenn der Manager für seinen aktuellen Fonds keinen Track Record für den gesamten Zyklus vorweisen kann, berücksichtigt Milsom seine frühere Historie, die oft Aufschluss darüber gibt, wie er in der Vergangenheit über den gesamten Zyklus abgeschnitten hat.

Alex Orr, Director im Team für Alternative Anlagen von BlackRock, stellt ebenfalls fest, dass diese Art der Überprüfung zunimmt. «Auch wir haben beobachtet, dass die Allokatoren mehr Due-Diligence-Prüfungen vornehmen als früher. Es gibt in der Tat nicht ganz so viele Investmentmanager, die seit 2008 aktiv sind und sich in diesem etwas anderen Umfeld beweisen konnten. Infolgedessen konzentrierte man sich stärker auf den Anlageprozess, und die Vermögensverwalter reagierten mit einer grösseren Portfoliotransparenz», fügt er hinzu.

«Wir hatten viele Diskussionen mit Kunden, die uns fragten, warum wir nicht in diese oder jene Anlage investierten. Am Ende stellte sich unsere Entscheidung als richtig heraus, doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen wir sicher unter besonderer Beobachtung.»

Shane Balkham, Chief Investment Officer von Beaufort Investment

Für Kelli Byrnes, Beraterin im Portfolio Analysis and Solutions-Team von BlackRock, ist es ein wichtiger Aspekt der Due Diligence, die Rendite zu ermitteln, die auf das Markt-Beta entfällt, insbesondere in einer Phase, in der die globalen Aktienmärkte kräftig zulegten.

«Das ist eine der grössten Herausforderungen bei der Beurteilung des Track Records eines Managers: Die Absolute-Return-Manager mit der besten Performance haben diese Rendite möglicherweise durch Erhöhung des Markt-Betas erzielt. Doch dies bringt nicht unbedingt die Diversifizierungsvorteile mit sich, die die Kunden benötigen», ergänzt sie.

«Genau das war ein wichtiger Grund für die Frustration über Absolute-Return-Fonds: Dass sie bei volatilen Märkten nicht immer Diversifikation bieten», fährt sie fort.

Balkham ist der Ansicht, dass es darum gehe, auf die Erwartungen der Kunden einzugehen und Aufklärungsarbeit zu leisten. «Man muss wissen, welches Risiko-Rendite-Profil man erreichen will. Das Produkt muss sich nicht in jedem Zeitraum im ersten Quartil befinden, solange es die gewünschte Diversifikation bietet. Man ermittelt, mit welchen Renditen zu rechnen ist, und wenn die Rendite deutlich unter dem Branchendurchschnitt liegt, ist das in Ordnung, da das Produkt genau diesen Zweck erfüllen soll», sagt er.

«Man sollte sehr genau wissen, wie sich der Fonds verhält, und wenn seine Performance im dritten Quartil liegt, dann ist es unsere Aufgabe, den Kunden zu erklären, dass dies in diesem Umfeld genau das gewünschte Ergebnis ist», schliesst er.