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Chinas A-Aktien auf dem Vormarsch

16-Jan-2018
By BlackRock

Ab Mai sind auch chinesische A-Shares Bestandteil des MSCI Emerging Markets – ein gutes Zeichen für Chinas Festlandaktien in Renminbi.

Es ist kaum bekannt: Der chinesische Aktienmarkt ist weltweit der zweitgrösste – gleich nach dem US-amerikanischen. Mit einem Marktwert von etwa 8 Billionen US-Dollar ist er sogar grösser als der japanische – und in etwa so gross wie die Aktienmärkte der übrigen Schwellenländer zusammen.1

Schon jetzt machen chinesische Aktien mit 30,1 % den weitaus grössten Anteil am Schwellenländeraktienindex MSCI Emerging Markets aus.2 Und der Anteil wird steigen: Im Sommer 2017 gab der US-Indexanbieter MSCI bekannt, ab Mai 2018 in zwei Schritten auch sogenannte A-Shares in den MSCI Emerging Markets und den MSCI All Country World (ACWI) aufzunehmen. Die Entscheidung von MSCI für A-Aktien gilt als Ritterschlag für diese Aktienkategorie. Zwar wird der Anteil der A-Shares im MSCI Emerging Markets mit 0,73 % zu Beginn sehr klein sein, doch wird damit gerechnet, dass er mit der Zeit steigen wird, um Chinas Gewicht in der Welt realitätsnaher abzubilden.3

A-Shares werden in Shanghai oder Shenzhen gehandelt, und zwar in Renminbi. Sie waren lange chinesischen Staatsbürgern vorbehalten. Von Ausländern konnten sie nur mit grossen Einschränkungen erworben werden. Seit 2014 wird der Zugang aber durch die sogenannten Stock Connect-Programme erleichtert: Handelsverknüpfungen der Börsen in Schanghai und Shenzhen mit dem seit langem frei zugänglichen Hongkonger Aktienmarkt. Chinesische Hund B-Aktien sowie ADRs – also von Banken herausgegebene Aktienzertifikate in US-Dollar – sind schon lange uneingeschränkt für Ausländer zugänglich. Bei den H-Shares handelt es sich um in Hongkong gehandelte Aktien festlandschinesischer Unternehmen, B-Shares werden in Schanghai oder Shenzhen in Fremdwährung gehandelt. Daneben gibt es noch die hauptsächlich in den USA gelisteten ADRs chinesischer Unternehmen.

Das Potenzial für Chinas Aktienmarkt ist immer noch gross: Nach einem überraschend hohen BIP-Wachstum 2017 rechnet BlackRock für 2018 mit einer leichten Abkühlung – in einem insgesamt positiven Umfeld. Denn Reformen und der Wandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft bleiben nach der Zementierung der Macht von Präsident Xi Jinping zentrale Politikziele.

So ist davon auszugehen, dass Chinas Unternehmen weltweit eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Als Investor bildet man den gesamtchinesischen Markt allerdings nur ab, wenn man Aktien aller Kategorien hält. Je mehr Investoren weltweit sich dieser Überlegung anschliessen, desto mehr Kapital könnte auch in A-Shares fliessen.

A-Shares haben zudem den Vorteil, dass sie wenig Korrelation mit klassischen Aktienmärkten aufweisen und so besondere Diversifikationsmöglichkeiten bieten. Nicht zuletzt wird der chinesische Aktienmarkt bislang weniger beobachtet und analysiert als andere Märkte, wodurch sich Chancen für Spezialisten eröffnen.

Es gibt aber auch Risiken. Den meisten ist der Crash von Chinas Festlandsbörse im Sommer 2015 noch präsent. Mittlerweile hat das Land aber Fortschritte in Sachen Liquidität, Marktzugang und Kapitalverkehrskontrollen gemacht. Dennoch ist die Volatilität grösser, die Transparenz geringer.

Professionellen Anlegern, die sich dieser Risiken bewusst sind, eröffnet sich aber die Chance auf Teilhabe an einem immer noch rasanten Wachstumsprozess. Dabei hat die Fondsanlage gegenüber einer Direktanlage Vorteile wegen der besseren Diversifikation. Die meisten aktiv gemanagten Fonds enthalten H- und B-Aktien oder ADRs, auch die meisten ETFs konzentrieren sich auf diese Aktienkategorien. Wer sucht, findet heute aber auch aktiv gemanagte Fonds, die sich auf A-Shares konzentrieren. Ebenfalls gibt es Fondsangebote, die traditionelle quantitative Signale innovativ mit Erkenntnissen aus Big Data-Analysen und maschinellem Lernen verbinden und so neue Perspektiven für Anleger schaffen.

 

1 World Federation of Exchanges, September 2017.

2 msci.com, Stand: 30.11.2017.

3 msci.com, Stand: 20.06.2017.