Faktoren: mehr als nur ein Hype

Dass Faktor-Investing seit einiger Zeit auch über ETFs und Indexfonds zugänglich ist, hat kräftig zur Verbreitung des Konzepts beigetragen. Dabei hat der Ansatz bereits eine lange Geschichte.

Faktor-Investing ist in Mode: Mehr Rendite bei gleichem Risiko – das kommt bei Investoren gut an. Neu ist das Ausnutzen von Stilfaktoren allerdings nicht, nur war das Konzept lange institutionellen Anlegern vorbehalten oder lediglich über aktiv gemanagte Fonds investierbar. Seit einiger Zeit sind aber auch Faktor-ETFs bzw. Indexfonds am Markt. Sie ermöglichen eine Investition auf die für diese Produkte typische günstige, einfache und transparente Art. 

Zu den wichtigsten und am besten erforschten Faktoren gehören Value, Momentum, Quality, Size und Minimum Volatility. Wissenschaftliche Grundlagen dafür bestehen seit den Arbeiten des Nobelpreisträgers William F. Sharpe zum Kapitalgutpreismodell (CAPM). In der Vergangenheit haben sich Faktor-Strategien tatsächlich ausgezahlt, wie ein Rückblick bis zum Januar 2001 zeigt: Gemessen am MSCI World und den entsprechenden MSCI World Faktor-Indizes konnten die Value-, Momentum-, Quality- und Size-Indizes eine über dem Markt liegende Rendite erzielen, Minimum Volatility-Indizes punkteten mit geringeren Risiken.[1] 

Faktor-Investments heben sich vom Marktdurchschnitt ab
Gobale Aktieninvestments (Januar 2001 bis November 2017)

market capitalisation

[1] BlackRock: „Factors: What they are, why they’ve worked, and ways to get started“, Jan. 2018. 

Die abgebildeten Daten beziehen sich auf zurückliegende Wertentwicklung. Zurückliegende Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Performance und sollte nie allein als Kriterium für Überlegungen zur Auswahl eines Produkts oder einer Strategie herangezogen werden.

Die Indizes sind nicht gemanagt. Es kann nicht direkt in Indizes investiert werden. Folgende Indizes liegen den Daten zugrunde: MSCI World Index, MSCI World Momentum Index, MSCI World Sector Neutral Quality Index, MSCI World Mid-Cap Equal Weighted Index, MSCI World Enhanced Value Index.

Quelle: MSCI, Stand: 30. November 2017.

Doch worin unterscheiden sich Faktor-Strategien? Im Rahmen von Value-Ansätzen wird auf Aktien gesetzt, die im Vergleich zu ihrem fundamentalen Wert zu günstig sind. Dabei wird Value gemessen an Kennziffern wie KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis), KBV (Kurs-BuchVerhältnis) oder operativem Cashflow. In der Vergangenheit haben Value-Strategien besonders zu Anfang eines Aufschwungs gut abgeschnitten. Bei Momentum-Strategien wird dagegen in Aktien investiert, die zuletzt gut gelaufen sind, etwa in den vergangenen sechs oder zwölf Monaten. Gut funktioniert hat die Momentum-Strategie zum Beispiel in klar aufwärts gerichteten Marktphasen.

Wer auf den Size-Faktor setzt, kauft unterdessen Aktien kleinerer Unternehmen, gemessen an der Marktkapitalisierung. Diese Strategie war in der Vergangenheit besonders erfolgreich zu Anfang eines Aufschwungs. Im Rahmen der Quality-Strategie wird in Unternehmen mit soliden Bilanzen investiert. Qualität wird dabei zum Beispiel festgemacht an der Eigenkapitalrendite, der Konstanz der Gewinnentwicklung und dem möglichst geringen Verschuldungsgrad. Bislang haben Quality-Ansätze in fallenden Märkten bzw. zu einem späten Zeitpunkt im Konjunkturzyklus besonders reüssiert. Ziel von Minimum VolatilityStrategien ist ein niedrigeres Risiko bei gleicher Rendite. Solche Ansätze haben sich insbesondere in turbulenten Phasen gut geschlagen. Daraus wird deutlich: Faktoransätze können langfristig bessere Renditen als der Markt erzielen oder das Volatilitätsrisiko senken. Ein Mittel, das in jeder Marktphase Vorteile bringt, bieten sie aber nicht.

Doch warum funktioniert Faktor-Investing? Dafür nennen Wissenschaftler und Finanzexperten im Wesentlichen drei Gründe an: Zum einen werden offenbar Risiken entlöhnt. Investoren erhalten also eine Prämie dafür, dass sie ein über dem Marktdurchschnitt liegendes Risiko eingehen. Ein Beispiel ist die Size-Strategie, da Aktien kleinerer Unternehmen häufig illiquider sind und dieses Risiko getragen werden muss. Zum Zweiten dürften strukturelle Gründe eine Rolle spielen, etwa der regulatorische Rahmen. So müssen bestimmte institutionelle Investoren vordefinierte Renditen ausweisen, sind aber in der Wahl ihrer Mittel eingeschränkt, weil etwa kein finanzieller Hebel eingesetzt werden darf. Daher müssen solche Investoren im Aktienportfolio beispielsweise auf riskantere und volatilere Aktien (mit höherem Beta) setzen, um ihre Ertragsvorgaben zu erreichen. Aktien mit niedrigerer Volatilität werden dadurch zum Beispiel vergleichsweise günstig. Zum Dritten gibt es verhaltensökonomische Erklärungen: So gehen Anleger in der Regel davon aus, dass sich Entwicklungen aus der Vergangenheit in der Zukunft fortsetzen werden (das kann etwa den Momentum-Faktor erklären).

Eingesetzt werden können Faktor-Strategien übrigens auf unterschiedliche Weise: strategisch für eine bessere Differenzierung im Portfolio und taktisch, um in bestimmten Konjunkturphasen eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. 

Aber: Eine Garantie, dass Faktor-Investments auch in Zukunft marktüberdurchschnittliche Renditen abwerfen bzw. gleiche Renditen bei niedrigerem Risiko, gibt es nicht. Faktor-Investments etwa mithilfe von ETFs bzw. Indexfonds oder aktiv gemanagten Fonds haben jedoch das Potenzial dafür – das belegt zumindest die Entwicklung in der Vergangenheit.