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Kryptowährungen:
Anlagechance oder reine Spekulation?

12-Mär-2018
By BlackRock

Nach der rasanten Rallye 2017 haben viele Kryptowährungen in den vergangenen zwei Monaten massiv an Wert verloren. Trotz der jüngsten Erholung: Die Anlagen bleiben hochriskant.

Der Bitcoin ist nur die bekannteste Kryptowährung, andere heissen Ripple, Litecoin oder Ether. Allen ist gemeinsam: Ihre Preise sind 2017 stark gestiegen. Seit Ende des Jahres ist der Höhenflug allerdings vorbei. Der Bitcoin fiel vom Allzeithoch bei rund 20.000 US-Dollar Mitte Dezember auf unter 7.000, zuletzt waren es wieder 9.193 US-Dollar.i

Befürworter von Bitcoin & Co. sehen Kryptowährungen als Gegenentwurf zum herkömmlichen Geldsystem. Sie wollen eine von Staaten, Zentral- und Geschäftsbanken unabhängige Währung. Ihrer Einschätzung nach hat das derzeitige Geldsystem viel Schaden angerichtet: Durch das Staatsmonopol in der Geldschöpfung steige die Geldmenge immer weiter, das Geld verliere an Wert, letztlich würden Sparer enteignet. Die Schöpfung der meisten Kryptowährungen ist hingegen beschränkt. Bitcoins sind beispielsweise so konzipiert, dass es niemals mehr als 21 Millionen Bitcoins geben wird. Manche Anhänger berufen sich auf namhafte Ökonomen wie Friedrich August von Hayek, der für einen freien Wettbewerb von Währungen plädiert hatte. Goldman Sachs kündigte im Dezember 2017 an, einen Bitcoin-Handelsbereich aufbauen zu wollen.

Die meisten Ökonomen und Finanzexperten warnen hingegen vor den Gefahren. Grundsätzlich kritisiert wird, dass Kryptowährungen wie Bitcoins die wichtigsten Funktionen von Geld als Recheneinheit, Zahlungsinstrument und stabiles Wertaufbewahrungsmittel nicht erfüllen können. Kryptowährungen hätten auch – anders als etwa Gold – keinen intrinsischen Wert. Der US-Ökonom Nouriel Roubini, der 2006 die US-Immobilienkrise vorhergesagt hatte, spricht daher von der «grössten Blase der Geschichte», schlimmer als die bekannte Tulpenblase in Holland des 17. Jahrhunderts. Gewarnt wird auch immer wieder vor den Möglichkeiten der kriminellen Nutzung für Geldwäsche, Drogenhandel oder Terrorismusfinanzierung. Nicht zuletzt gab es bereits viele Fälle von Daten- und Coin- Diebstählen im Netz.

Gefordert wird eine schärfere Überwachung seitens der Aufsichtsbehörden. Bemühungen in diese Richtung sind auch verantwortlich für den Kursrutsch seit Dezember: In China wurden grosse Kryptobörsen geschlossen, andere Länder verboten den Handel bereits oder schränkten ihn ein. Auch die Aufsichtsbehörden westlicher Länder warnen, etwa die US-Börsenaufsicht SEC und die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA.ii Nicht zuletzt wird der Umweltaspekt angeführt, das «Mining» von Kryptowährungen verbraucht extrem viel Strom, da durch die dahinterliegende Blockchain-Technologie. Daten auf einer Vielzahl von Computern weltweit erzeugt und gespeichert werden. Schätzungen zufolge entspricht der jährliche Stromverbrauch für das Bitcoin-Mining dem gesamten Stromverbrauch Marokkos.iii

Manche Investoren geben jedoch der Gier nach und schauen auf die Preisentwicklung: Trotz Rücksetzern hat sich der Bitcoin-Kurs auf Sicht von zwölf Monaten immer noch verzehnfacht. Beim Ripple, dessen dahinterstehende Zahlungsverkehrsplattform viele für noch zukunftsträchtiger als die Bitcoin-Blockchain halten, ist der Kurs noch stärker gestiegen.iv Erworben werden können Kryptowährungen direkt von Privatpersonen, aber auch über eine der vielen Börsen im Internet. Die Chicagoer Börsen CME und CBOE bieten seit Dezember Bitcoin-Futures an. Der Antrag auf einen ersten Bitcoin-ETF wurde von der SEC im März 2017 abgelehnt, allerdings kann mit klassischen Partizipationszertifikaten auf die Bitcoin-Entwicklung gesetzt werden.

Wie sich Bitcoin und andere Kryptowährungen weiterentwickeln werden, kann niemand voraussagen. Wenn es sich um eine klassische Blase handelt, wie ja durchaus namhafte Kritiker vermuten, zahlen diejenigen, die später einsteigen, die Gewinne der frühen Investoren. Im ungünstigsten Fall kann aber eine der vielen Krypowährungen komplett vom Markt verschwinden, wäre dann wertlos und könnte so eine allgemeine Vertrauenskrise auslösen. Fest steht jedenfalls schon heute, dass Kryptowährungen stark schwankungsanfällig sind, der Markt unreguliert ist und es Sicherheits- sowie gerade in Verkaufsphasen erhebliche Liquiditätsrisiken gibt. Die weitere Entwicklung der Technologie und des regulatorischen Umfelds sollte zwar im Auge behalten werden, vorerst bleiben Kryptowährungen aber hochriskante Anlagen, geeignet nur für Investoren, die als durchaus reales Risiko einen Totalausfall in Kauf nehmen können.

 

i Bitcoin-Preis: $9’192.61. Quelle: Coinmarketcap, 12.03.2018.

ii ESMA, ESMA highlights ICO risks for investors and firms, 13.11.2017.

iii Adair Turner, Should You Buy Bitcoin?, Project Syndicate, 02.02.2018.

iv finanzen.net