FÜR QUALIFIZIERTE ANLEGER

Ungünstige «Home Bias»

19-Dez-2017
By BlackRock

Selbst institutionelle Investoren legen schwerpunktmässig in ihrem Heimatland an. Diese falsche Heimatliebe geht aber mit Renditeverzicht und höheren Schwankungen einher.

Die Welt ist gross, auch die Welt der Geldanlage, doch die meisten Investoren blicken weiter vor allem auf ihr eigenes Land: die US-Amerikaner auf die USA, die Deutschen auf Deutschland und die Schweizer auf die Schweiz. Das gilt übrigens für institutionelle Investoren genauso wie für Privatanleger.

In der Verhaltensökonomik wird diese Neigung als «Home Bias» bezeichnet. Beschrieben wurde dieses Phänomen erstmals 1991 von den beiden US-amerikanischen Ökonomen Kenneth French und James Poterba. Sie stellten fest, dass über 98% des Aktienportfolios japanischer Investoren aus japanischen Titeln bestand. Die entsprechenden Anteile für die USA lagen bei 94% und für Grossbritannien bei 82%. So hoch werden die Zahlen heute nicht mehr sein, «Home Bias» gibt es aber weiterhin – und das, obwohl Gelder dank der Globalisierung längst ohne nennenswerte Hürden von Land zu Land fliessen können.

Für den Fokus auf den heimischen Markt spricht zwar, dass dieser im Gegensatz zum Auslandsmarkt vertraut ist und man sich auskennt. Neben dieser Informationsasymmetrie spielen offenbar auch unterschiedliche Regulierungen und sprachliche Hürden eine entscheidende Rolle. Zudem kann eine Anlage jenseits der Grenzen mit höheren Transaktionskosten verbunden sein. Relevant ist wohl auch die Besteuerung, denn in manchen Ländern werden Kapitaleinkommen höher besteuert, zum Teil auch speziell für ausländische Investoren. Nicht zuletzt und besonders wichtig: Wechselkursrisiken. Die können bei Investitionen ausserhalb des eigenen Währungsraums die Rendite ganz entscheidend beeinflussen.

Doch die Heimatliebe ist höchst problematisch, vor allem wegen der fehlenden Diversifikation. Schon die Portfoliotheorie zeigt, dass eine Verteilung auf verschiedene, möglichst voneinander unabhängige Anlageklassen zu einer höheren Rendite bei gleichem Risiko führt. «Don’t put all your Eggs into one Basket», heisst es. Allein in Industrieländern laufen Konjunkturzyklen oder Aktienmärkte nicht synchron, das gilt erst recht zwischen Industrie- und Schwellenländern.

Investoren beschneiden sich ihrer Chancen, wenn sie sich nur auf ein Land konzentrieren. Dazu kommen unnötig hohe Volatilitätsrisiken, denn bei einer globalen Streuung und niedrigeren Korrelationen sinkt das Schwankungsrisiko.

Für Schweizer Anleger hat sich die Heimatliebe in diesem Jahr durchaus negativ ausgewirkt: Zwar ist der Schweizer Aktienmarkt – wie der US-Markt oder andere europäische Märkte – gut gelaufen. So hat sich der Franken gegenüber dem US-Dollar wenig verändert. Gegenüber dem Euro hat die Schweizer Währung aber deutlich verloren. Der Euro hat den höchsten Stand seit Aufgabe des Mindestkurses zum Franken erreicht. Investitionen im Euroraum hätten sich für Schweizer Investoren also besonders gelohnt.

Auch ist der Schweizer Aktienmarkt verhältnismässig klein und stark von den Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche dominiert, die weit mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung des SMI ausmachen. Manche Branchen sind im SMI darüber hinaus kaum oder gar nicht vertreten, etwa die Sektoren Energie, IT oder Rohstoffgewinnung.

Manchmal geht die Heimatliebe also zu weit und versperrt den Blick auf die Vorteile einer konsequenten, weltweiten Streuung. Diese umzusetzen muss für Anleger gar nicht kompliziert sein. Investmentfonds und ETFs bieten bewährte Lösungen, mit denen sich über die Ländergrenzen hinweg in global diversifizierte Portfolios investieren lässt – und das in vielen verschiedenen Anlageklassen.