FÜR QUALIFIZIERTE ANLEGER

Blockchain als Game Changer?

24-Okt-2017
By BlackRock

Der Blockchain-Technologie eilt der Ruf voraus, ganze Branchen zu revolutionieren – auch den Finanzsektor. Nach der ersten Euphorie herrscht jetzt aber teilweise schon Ernüchterung.

Blockchain ist vielen vor allem als Technologie hinter der Kryptowährung Bitcoin ein Begriff. Allerdings gibt es viele Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie, auch in der Finanzbranche – und alle haben das Potenzial, das Geschäft von Grund auf zu verändern. Banken, Asset Manager, Börsenbetreiber und Abwicklungshäuser untersuchen derzeit, wie sie die Technik integrieren können, um eigene Prozesse schneller, sicherer, transparenter und vor allem kostengünstiger zu machen. Auch zahlreiche Start-ups beschäftigen sich mit diesem Thema.

Bei der Blockchain-Technologie handelt es sich um eine dezentrale Datenbank, auf der bei Transaktionen zwischen Computern alle Schritte genau gespeichert werden, und zwar so, dass sie für alle Beteiligten nachvollziehbar und nicht zu verändern sind. Das Besondere ist, dass es innerhalb der Blockchain keine Vermittlungsinstanz gibt. Daten werden „Peer to Peer“, also von Nutzer an Nutzer, übertragen. Für die Verifizierung der Nutzer sorgt die Blockchain selbst.

Darin liegen die zentralen Vorteile und das grundsätzliche Potenzial für Geschwindigkeit sowie Effizienz. Denn separate Überprüfungs- und Bestätigungsschritte bei den beteiligten Gegenparteien einer Transaktion entfallen grundsätzlich. Sollte sich zudem eine einzige Blockchain als Standard durchsetzen, würde das auch auf ein einheitliches Format für die Übermittlung von Daten und Transaktionsinformationen hinauslaufen – ein Vorteil bei allen künftigen Anwendungen für die Entwicklung digitaler Lösungen.

In der Theorie sollte die Blockchain dadurch, dass jede Transaktionsinformation auf verschiedene Computer verteilt vorliegt und somit an mehreren Orten protokolliert ist, auch einen Zugewinn an Sicherheit bringen. Denn um Daten zu verändern, müssten alle Computer verschiedenster Betreiber in unterschiedlichen Weltregionen gleichzeitig manipuliert werden.

Wer sich ein Bild machen will, kann Blockchain auch als digitalen Kontoauszug oder öffentliches Grundbuch begreifen. Der Name Blockchain kommt von den Blocks, also Dateien, die alle Informationen über Transaktionen gespeichert haben. Kettenähnlich werden am unteren Ende ständig neue Elemente hinzugefügt.

Experten gehen davon aus, dass sich die Strukturen auch im Asset Management durch die Blockchain-Technologie verändern werden. So könnten durch den Einsatz der Blockchain die durchschnittliche Bearbeitungsdauer bei Transaktionen, gerade bei grenzüberschreitenden, deutlich verkürzt werden und die Kosten pro Transaktion erheblich sinken – auch zum Vorteil von Kunden auf Investorenseite. Anleger könnten in Echtzeit Daten einsehen, etwa Performance-Zahlen von Fonds. Grosse Datenmengen könnten darüber hinaus mittels Verschlüsselung und Zugriffsverwaltung besser geschützt werden. Auch Vorstands-Reportings und regulatorische Berichte würden vereinfacht. Fehler könnten durch die Blockchain zumindest seltener werden.

Bislang ist das meiste davon aber noch Zukunftsmusik. Die tatsächliche Einführung eines allgemeingültigen Standards ist alles andere als leicht. Dazu müssen erst einmal die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Eine Zusammenarbeit zwischen Technologiespezialisten, Finanzunternehmen und Regulierern wäre Voraussetzung für den Einsatz. Ebenfalls eine grosse Herausforderung ist die Integration mit bereits bestehenden Systemen.

Regulatorische Vorgaben und die herausfordernde Einpassung in die bestehende Systemlandschaft sorgen dafür, dass sich erst noch zeigen muss, ob die theoretisch möglichen Effizienzvorteile auch in der Praxis ankommen – und in welchem Umfang. Derzeit sieht es zum Beispiel danach aus, als würde es im Zahlungsverkehr nicht die eine grosse öffentlich zugängliche Blockchain geben, sondern viele private Blockchains – möglicherweise initiiert von den etablierten Akteuren der Finanzbranche –, auf die nur Firmen Zugriff haben, welche bei einer Transaktion beteiligt sind. Unter dem Gesichtspunkt der Effizienz dürfte das Abstriche gegenüber einer universellen Lösung zur Folge haben.

Jedenfalls gilt angesichts dieser Entwicklung vonseiten der etablierten Player: Ein Ende der Ära von Banken und anderen Finanzmarktakteuren als zentrale Player, wie teilweise ausgerufen, ist nicht in Sicht. Die Blockchain-Technologie bietet vielmehr Chancen für die Branche, ihre etablierten Infrastrukturen zu überdenken und Prozesse zu beschleunigen. Das Thema bleibt also spannend. Als Investmentthema bleibt es aber für Investoren noch risikoreich. Das gilt sowohl für Kapitalgeber verschiedener Blockchain-Start-ups, die ihre Durchsetzungsfähigkeit noch unter Beweis stellen müssen, als auch in Bezug auf spezifische elektronische Währungen wie Bitcoins, die diese Technologie nutzen.