FÜR QUALIFIZIERTE ANLEGER

Europäische Aktien – im Kern dabei

10-Okt-2017
By BlackRock

Für langfristig orientierte Aktienanleger gehören europäische Aktien als traditioneller Kernbestandteil ohnehin ins Portfolio. Und gerade jetzt könnte es sogar interessant sein, sie taktisch wieder stärker zu gewichten. Ein Überblick.

Europa ist eine vielfältige Investmentregion, die einige der weltweit am höchsten entwickelten Wirtschaftsnationen beheimatet. Europa spielt, was die Wirtschaftsleistung angeht, in der Liga der Top-3-Regionen der Welt nach Asien und den USA eine bedeutende Rolle. Allein das macht deutlich: Ein Aktienkernportfolio, das die Anlagechancen aus europäischen Unternehmen nicht berücksichtigt, ist kaum denkbar. Europäische Aktien gehören als Kerninvestment in jedes global diversifizierte Aktienportfolio.

Dennoch war die Anlegerstimmung gegenüber Europa gerade in den Zeiten nach der Finanzkrise eher trübe. Die lange immer wieder thematisierte Euro-Krise, die Schuldenlast vieler südlicher Euro-Mitgliedsländer und zum Beispiel auch die Unsicherheiten durch das britische Votum zum EU-Austritt: All dies lastete lange auf den Aussichten für den europäischen Aktienmarkt, dessen Erholung nach der Finanzkrise zögerlicher verlief als die des US-Aktienmarktes. Hinzu kommt: Wer Europa „von innen“ betrachtet, sieht auch mehr Probleme. Als Europäer nehmen wir einfach von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mehr Details wahr als in anderen Regionen – darunter auch die negativen.

Ganz allmählich scheint sich aber das Bild von Europa bei Anlegern auf unserem Kontinent und auch weltweit zu wandeln. Die Nebel lichten sich, die fundamentalen Wirtschaftsdaten werden wieder mehr in den Blick genommen. Diese können vergleichsweise überzeugen. So sieht das BlackRock Investment Institute in seinem Ausblick auf das vierte Quartal 2017 die Gewinnerwartungen für europäische Unternehmen im Jahr 2017 konstant höher als beispielsweise die von US-Unternehmen. Die Experten gehen auch von der Fortsetzung des bisherigen Kurses in der Geld- und Zinspolitik der EZB aus, weil deren Inflationsziele noch immer nicht erreicht sind. Das sollte weiterhin Druck nach unten auf den Kurs des Euro ausüben und die Länder der Eurozone in ihrem Exportgeschäft begünstigen. Hinzu kommt eine inzwischen weitgehend stabile Binnenkonjunktur in vielen europäischen Kernländern.

 

Schwerpunkte setzen?

Die Vielfalt Europas ist eine der Stärken dieser Anlageregion. Das bedeutet, dass ein europäisches Aktienportfolio grundsätzlich über die einzelnen Ländermärkte breit diversifiziert sein sollte und die Chance bietet, taktisch Schwerpunkte zu setzen. So könnten gegenwärtig, da in den letzten 12 Monaten auch die Kurse für europäische Aktien starke Zuwächse verzeichnen konnten, gerade Qualitätstitel aus Regionen Europas interessanter sein, bei denen die Bewertungen noch vergleichsweise günstig sind und die aufgrund dessen noch Aufholpotenzial haben.

Britische Aktien bleiben ein Sonderfall. Im Anschluss an das Brexit-Votum haben sich ihre Kurse zwar besser entwickelt als seinerzeit von vielen befürchtet. Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, dass eine gewisse Vorsicht geboten sein könnte. Die Schwächung der Regierung May bei den letzten Unterhauswahlen, der äusserst zähe Fortschritt bei den Brexit- Verhandlungen mit der EU und die jüngst mehr oder weniger deutlich geäusserten Befürchtungen, dass diese bis zum Austrittstermin nicht abgeschlossen sein könnten, führen zu einer merklich wachsenden Verunsicherung. Das macht die Rahmenbedingungen für britische Unternehmen mindestens schwer vorhersehbar – ebenso die möglichen Auswirkungen auf die Kurse am britischen Aktienmarkt. Die Experten des BlackRock Investment Institute halten jedenfalls die Entwicklung des Wechselkurses des britischen Pfund kritisch im Blick – als einen wichtigen Indikator dafür, was die Märkte von der britischen Wirtschaft erwarten.