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ESG Investing: nicht zu Lasten der Rendite

03-Okt-2017
By BlackRock

Verantwortungsbewusstes Investieren, das Umwelt- und Sozialfaktoren sowie Aspekte guter Unternehmensführung berücksichtigt, wird immer beliebter. Der Vorteil: Risiken können verringert werden und Renditen müssen dabei nicht leiden.

Nachhaltige Geldanlage: Für die meisten war das lange Zeit ein Synonym für magere Renditen. Das ist längst anders, immer mehr Studien zeigen, dass nachhaltiges Investieren keineswegs mit Renditeverzicht verbunden sein muss – im Gegenteil. Wer sich von Unternehmen fernhält, die in Umwelt- oder Korruptionsskandale verstrickt sind bzw. werden könnten oder zweifelhafte Produkte herstellen, lädt sich weniger Risiko ins Portfolio und kann trotzdem gleich hohe oder sogar höhere Renditen erzielen. Welche Folgen Investitionen in nicht nachhaltig wirtschaftende Unternehmen haben können, haben in jüngster Vergangenheit Fälle wie VW oder Petrobras gezeigt.

Bei grossen institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds oder Versicherern ist das schon lange angekommen. So investiert zum Beispiel der norwegische Staatsfonds nicht mehr in Aktien und Anleihen von Tabakfirmen, Hersteller bestimmter Waffen und in die Kohleindustrie.

Insgesamt steigen die Zuflüsse in nachhaltige Geldanlagen rund um den Globus deutlich an. Laut Global Sustainable Investment Alliance (GSIA), dem Zusammenschluss der sieben weltweit grössten Organisationen für nachhaltiges Investieren, wurden Anfang 2016 schon knapp 23 Billionen US-Dollar unter Anwendung von nachhaltigen Anlagestrategien professionell verwaltet. Das machte gegenüber 2014 ein Plus von 25 % aus.

Doch woran können Investoren nachhaltige Anlagen erkennen? Etabliert auf Analysten- und Investorenseite haben sich die sogenannten ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance), nach ihnen beurteilen Rating-Agenturen die Nachhaltigkeit von Unternehmen und von Fonds.

 

Strategischer Ansatz hat sich verändert

Früher wurden im Rahmen nachhaltiger Anlagestrategien Ausschlusskriterien angewandt, also bestimmte Branchen kategorisch ausgeschlossen. Manchmal erfolgte sogar die Eingrenzung auf besonders wünschenswerte, z. B. „ökologische“ Branchen. Das konnte Klumpenrisiken in den so entstehenden Portfolios erhöhen. Heute dagegen wird meist auf Best-in-Class gesetzt: Beim Best-in-Class-Ansatz werden sämtliche Unternehmen aller Branchen nach Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien geordnet und die jeweils besten ausgewählt.

Einen ganz anderen Weg geht im Übrigen das sogenannte Impact Investing – also wirkungsorientiertes Investieren. Auch hier wird nach ökologischen oder sozialen Zielen angelegt, es handelt sich aber um Direktanlagen in Form von Beteiligungen oder Darlehen an Unternehmen mit besonderen Zielen. Diese Unternehmen kümmern sich zum Beispiel um den Aufbau von Schulen oder die Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern oder die Integration von Behinderten in den Arbeitsmarkt. Im Gegensatz zu reinen Spenden ist durchaus eine Gewinnerzielung beabsichtigt.

Dass nachhaltiges Investieren mit den neuen strategischen Ansätzen immer mehr zum Mainstream wird, lässt sich an klaren Zahlen ablesen: Über 1.700 Unterzeichner, davon fast 1.200 Asset Manager, haben schon die Principles für Responsible Investment (PRI), einer Finanzinitiative der UNO, unterzeichnet. Damit haben sie sich verpflichtet, in ihren Analysen und im Portfoliomanagement ESG-Aspekte zur Anwendung zur bringen und von Unternehmen die Einhaltung der Standards zu verlangen. Die Unterzeichner stehen für ein verwaltetes Vermögen von mehr als 62 Billionen US-Dollar.

Impact Investing wie auch der Trend zu nachhaltiger Geldanlage allgemein sind also auf dem Vormarsch. Kein Wunder: Denn attraktive Renditen und verantwortungsvolles Handeln schliessen einander eben nicht mehr aus.