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Private Debt – eine Anlageklasse im Rampenlicht

18-Sep-2017
By BlackRock

Als Finanzierungsform immer beliebter, ebenso als Anlageform: Private Debt ist in aller Munde. Und es ist mehr als eine Modeerscheinung.

Angesichts der weiterhin mageren Zinsen befassen sich immer mehr Anleger mit dem Thema Private Debt. Das verspricht attraktivere Renditen als herkömmliche Anleihen, stabile Erträge, geringe Kursschwankungen und Diversifikationschancen.

Doch was ist Private Debt eigentlich, und kommt diese Anlageform für jeden Anleger in Frage? Unter Private Debt – also „private“, im Sinne von nicht öffentlich gehandelten Schulden – versteht man Kredite, die nicht durch Banken vergeben werden, sondern durch „Nicht-Banken“ wie Fonds, Pensionskassen, Versicherer oder Family Offices. Kreditnehmer sind meist Unternehmen aus dem Mittelstand ohne Rating. Typisch für Private Debt ist auch die variable Verzinsung.

Auslöser für die wachsende Bedeutung von Private Debt war eigentlich der, dass Banken wegen zunehmender Regulierung und höheren Kapitalanforderungen unter Basel III in ihren Kreditvergaben restriktiver geworden sind, gerade bezüglich mittelgrosser Unternehmen und Adressen ohne Investment Grade-Rating. Diese Unternehmen halten nun zunehmend nach anderen Finanzierungsquellen Ausschau.

Interessant ist Private Debt aber auch schon seit längerem für institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen oder Family Offices, die händeringend nach höher verzinsten Anlagen suchen. Denn Private Debt bietet aufgrund der fehlenden Liquidität und der höheren Komplexität eine Prämie gegenüber herkömmlichen Anleihen.

Die Anlageform Private Debt ist nicht standardisiert, die Ausgestaltung also höchst unterschiedlich. Im Unterschied zu Private Equity handelt es sich bei Private Debt aber immer um Fremdkapital. Typischerweise haben Private Debt-Instrumente eine Laufzeit von bis zu sieben Jahren. Es gibt eine Reihe von Unterformen, Beispiele sind Direct Lending, Mezzanine als Zwischenform von Fremd- und Eigenkapital und Distressed Debt für Finanzierungen von Unternehmen in Krisensituationen.

Dass Private Debt nicht gleich Private Debt ist, macht es für Anleger auf der einen Seite komplizierter, auf der anderen Seite schaffen die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten aber auch Diversifizierungschancen. Denn das ist ein wesentlicher Pluspunkt der Anlageklasse: Die Korrelation zu anderen Asset-Klassen ist gering. Hierin liegt auch ein weiterer Unterschied zu High Yield-Anleihen, die zwar ebenfalls höhere Renditen versprechen, aber sehr zinssensitiv sind.

Es gibt also eine Menge Vorteile: das von Aktien oder Anleihen abweichende Risikoprofil bzw. die geringe Korrelation, die Prämie für Illiquidität und Komplexität sowie stabile Cashflows. Nicht zuletzt unterstützen Private Debt-Anleger den europäischen Mittelstand mit einem flexiblen Finanzierungsprodukt. Es gibt aber auch Risiken: zum einen deal-spezifische, aber auch die Bonität der Emittenten ohne Rating. Anleger müssen zudem den Nachteil der eingeschränkten Liquidität in Kauf nehmen können.

Zugänglich ist Private Debt vor allem über Private Debt-Fonds, auch Kredit-Fonds genannt. Wichtig ist: Private Debt ist kein leichtes Produkt. Investoren benötigen Experten, die Darlehen strukturieren, managen und überwachen können. Diese Experten müssen sowohl gegenüber den Investoren als auch gegenüber den Firmen, die sie finanzieren, eine langfristige, vertrauensvolle Beziehung aufbauen.

Private Debt eignet sich im Wesentlichen für Investoren, die mit den Risiken, etwa der fehlenden Liquidität, leben können. Bei denen wird Private Debt aber aller Voraussicht nach immer beliebter werden. Private Debt ist auf dem Weg, zu einer weithin etablierten Anlageklasse zu werden – einer aufgrund seiner Diversifikationseigenschaft geschätzten „normalen“ Beimischung in diversifizierten Portfolios.