Nachhaltig Investieren: die neue Normalität

Risikokapital. Diese Informationen sollten nicht als Empfehlung für bestimmte Produkte, Strategien oder Wertpapieranlagen verstanden werden. Die hier dargelegten Überlegungen zum Thema Umwelt, Soziales und Governance ("ESG")[1] beeinflussen möglicherweise die Entscheidung eines Investmentteams, in bestimmte Unternehmen oder Branchen zu investieren. Die Ergebnisse können von anderen Portfolios abweichen, die andere ESG-Richtlinien in ihrem Anlageprozess verwenden.

Der BlackRock People & Money-Bericht handelt von Entwicklungen, Erkenntnissen und Chancen. So wie sich die Welt verändert, verändert sich auch das Denken über Geld. Deshalb haben wir über diese komplizierte Beziehung mit Menschen rund um den Globus gesprochen. Dies ist ihre Geschichte. Und je mehr wir zuhören, desto besser können wir handeln.

Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse beziehen sich nur auf die Schweiz. Diese Umfrage wurde zwischen November 2019 und Januar 2020 mit 26'814 Befragten in 18 Ländern durchgeführt, darunter 1'020 Personen in der Schweiz.

Trotz des gegenwärtigen Klimas der Unsicherheit unterstreichen die jüngsten Investitionsbarometer, sowohl in der Schweiz als auch auf globaler Ebene, die Attraktivität und Resilienz von ESG-orientierten Portfolios. Im zweiten Quartal 2020 stiegen die weltweiten Investitionen in nachhaltige Fonds um 72% auf US-Dollar 71,1 Mrd., wobei der grösste Teil der Zuflüsse auf Europa entfiel.[2] Der Aufwärtstrend ist robust. Renditen zu erwirtschaften und dabei «das Richtige zu tun» ist nicht nur kein Widerspruch, sondern jetzt auch eindeutig Mainstream.

Aus dem jüngsten People & Money-Bericht, der von BlackRock in Auftrag gegeben wurde, geht hervor, dass die Schweizer zu denjenigen gehören, die tagtäglich am stärksten soziale Verantwortung zeigen, zum Beispiel beim Einkaufen von Lebensmitteln (91%). 79% sind ferner der Meinung, dass Investitionen eine positive Wirkung haben sollten, und 84% sind sich nachhaltiger Anlagemöglichkeiten bewusst. Doch nur 37% – allesamt Nicht-Investoren – würden für ihre erste Wertpapieranlage ein Investment, ob Aktie oder Fonds, auswählen, das auf Nachhaltigkeitsprinzipien ausgerichtet ist. Warum ist das so? Diese und andere Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit will die globale People & Money-Umfrage, die 18 Länder umfasste, beleuchten. In der Schweiz nahmen 1’020 Personen im Alter zwischen 25 und 74 Jahren bei einer ausgewogenen Verteilung der Geschlechter an der Umfrage teil.

Die 4 Mythen über nachhaltige und sozial verantwortliche Anlagen

Offenbar besteht der Wunsch, etwas zu verändern. Was dem aber im Wege zu stehen scheint, ist eine Reihe von Missverständnissen u.a. bezüglich der tatsächlichen Risiken, Renditen und Auswirkungen von Nachhaltigkeitsanlagen. Eigentlich könnte man von vier Mythen über nachhaltige und sozial verantwortliche Anlagen sprechen und als erstes sollten wir sie einmal unter die Lupe nehmen.

Mythos Nr. 1: Die gibt’s nur in Grün

Nachhaltig investieren kann verschiedene Dinge bedeuten, aber es läuft im Wesentlichen auf diese Definition hinaus: Es geht darum, traditionelle Anlagemöglichkeiten auf ökologische, soziale und ethische unternehmensführungsbezogene Aspekte zur langfristigen Verbesserung des finanziellen Wohlergehens auszurichten (ESG). Das Angebot an nachhaltigen Finanzprodukten ist sehr vielfältig, und Anlageentscheidungen hängen grundsätzlich von den persönlichen Werten und Präferenzen des Anlegers ab. Dabei sind nachhaltige Anlagen nicht auf bestimmte Investments, z.B. in «grüne» Energieerzeugung oder biologische Landwirtschaft, beschränkt. Wenn es sich um eine Investition in einen Fonds handelt, werden diejenigen Unternehmen oder Aktivitäten, die eben nicht den sozialen und ethischen Standards des Anlegers entsprechen, einfach herausgefiltert. Anlagen können auch für Projekte mit positiven ökologischen und sozialen Auswirkungen zweckgebunden werden. Weitere Möglichkeiten bieten thematische Anlagen, zum Beispiel in erneuerbare Energien, Biotechnologie, Gesundheitswesen oder nachhaltige Forstwirtschaft, nur um die wichtigsten Bereiche zu nennen. Allein zwischen 2018 und 2019 ist die Anzahl der Fonds, die nach ESG-Kriterien operieren, von 434 auf 582 gestiegen (+34%).[3]

Mythos Nr. 2: Gutes Gewissen, schlechte Rendite

Die Marktentwicklung zeigt, dass nachhaltige und sozial verantwortliche Anlagen den konventionellen Finanzproduktangeboten ebenbürtig sind. Längst haben ESG-Prinzipien in Aktiengesellschaften Einzug gehalten. Gut geführte Unternehmen, die über ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft besorgt sind, sind anpassungsbereit und oft offener für Innovationen. Ihre Mitarbeiter fühlen sich wohler und sind produktiver. Diese Unternehmen geniessen nicht nur einen besseren Ruf, der für eine loyale Kundschaft und eine stabile Geschäftsentwicklung sorgt, sondern sie erweisen sich auch als widerstandsfähiger in Krisenzeiten. Daraus folgt, dass ihr Geschäft weiter von Wachstum geprägt sein wird. Bestätigt wird dies durch die Realität an den Finanzmärkten, insbesondere in der gegenwärtigen turbulenten Situation: In den USA zum Beispiel schnitten die meisten nachhaltigen Fonds im 2. Quartal im oberen Segment ihrer jeweiligen Morningstar-Kategorie ab, und 18 von 26 ESG-orientierten Indexfonds haben ihr konventionelles Pendant deutlich outperformt. Im bisherigen Jahresverlauf platzierten sich 72% der nachhaltigen Aktienfonds in der oberen Hälfte ihrer jeweiligen Morningstar-Kategorie, und alle 26 ESG-Fonds haben ihre konventionellen Indexfonds übertroffen.[4] Genauso wie die Art und Weise wie Unternehmen ihre Mitarbeiter und Stakeholder behandeln, zu einem Unterscheidungsmerkmal geworden ist, wird die Art und Weise wie sie in die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeiter investieren, in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Nachhaltige und sozial verantwortliche Anlagen werden diese Dynamik weiter stützen. Nebenher gesagt: Dass die Gebühren bei nachhaltigen Anlagen höher sind, ist auch ein Mythos.

Mythos Nr. 3: Alles nur eine Modeerscheinung

Das Konzept der Nachhaltigkeit als Investitionshaltung, die von Natur aus eine ethische Komponente hat, gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Damals wandten sich viele Investoren aus ethischen Gründen vom profitablen Sklavenhandel ab und zogen es vor, in anderen Bereichen ebenso stabile Renditen zu erzielen. Sozusagen eine Vorschau auf nachhaltiges und sozial verantwortliches Anlegen, wie wir es heute verstehen.

Spulen wir vor bis zum Jahr 2009. Nachhaltige Investitionen belaufen sich bereits auf 32,4 Mrd. CHF (gegenüber 7,4 Mrd. CHF im Jahr 2005[5]). Bis Ende 2019 sind es insgesamt 1'163 Mrd. CHF. Allein von 2018 bis 2019 hat sich der Anteil der nachhaltigen Fonds am gesamten Schweizer Fondsmarkt von 18% auf 38% mehr als verdoppelt.[6] Ein weiterer wichtiger Grund, weshalb nachhaltige und sozial verantwortliche Investitionen auf Dauer Bestand haben werden, ist der Regulierungsdruck. 2018 beschloss die EU auf der Grundlage des Pariser Klimaabkommens von 2016 und der Agenda 2030 der Vereinten Nationen den Aktionsplan zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums[7] mit den folgenden Zielsetzungen:

  • Orientierung der Kapitalströme in Richtung nachhaltige Investitionen, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen;
  • Bewältigung der finanziellen Risiken, die sich aus Klimawandel, Naturkatastrophen, Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben; und
  • Förderung der Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit (d.h. ethische Unternehmensführung.)

Mit anderen Worten, die positive Dynamik, die in den letzten zehn Jahren zu verzeichnen war, wird sich weiter verstärken. In Europa sehen wir, dass nachhaltige Anlagen zunehmend zur neuen Normalität gehören, verdeutlicht durch die starken Zuflüsse in ESG-Fonds – um mehr als das Doppelte auf 54,6 Milliarden Dollar – im 2. Quartal nach dem Absturz der globalen Aktienmärkte aufgrund der Pandemie.[8]

Mythos Nr. 4: Das ist nichts für mich.

Eines der Ergebnisse der Studie: 48% der Befragten sind der Meinung, dass die Verantwortung für nachhaltiges Handeln bei den Unternehmen liegt; etwa ebenso viele finden, dass Nachhaltigkeit bei einem selbst beginnt (45%). Mit der Anpassung der Unternehmen an die neue Normalität nehmen auch die Möglichkeiten für Privatpersonen zu, durch ihre Anlageentscheidungen etwas zu bewegen – und dabei den eigenen finanziellen Zielen näher zu kommen. Wichtiger als die Vielfalt der Anlagemöglichkeiten mag die Tatsache sein, dass der Markt für alle zugänglich ist, unabhängig davon, wie niedrig der Betrag ist, den man zurücklegen kann oder möchte, um nachhaltig zu investieren, sei es für die Rente oder die Vermögensmehrung. Obgleich es nie zu früh oder zu spät ist, um mit dem Anlegen anzufangen, empfehlen erfahrene Investoren (44%), mit einem kleinen Betrag zu beginnen und schrittweise vorzugehen. Um ein grundlegendes Verständnis dafür zu erhalten, wie eine Kapitalanlage funktioniert, klicken Sie bitte hier.

Freunde und Familienangehörige können eine gute Quelle für Ratschläge sein, wenn sie etwas Erfahrung mitbringen. Auch die Tatsache, dass Finanzberater möglicherweise eine Gebühr erheben, sollte kein Grund sein, auf deren Wissen und Erfahrung zu verzichten. Schliesslich ist ihr Hauptziel, aus ihren Kunden erfolgreiche und vor allem zufriedene Investoren zu machen. Neben sehr wettbewerbsfähigen Tarifen können Berater auch Instrumente anbieten, die maximale Kontrolle über Investitionen ermöglichen. Für einige Hinweise, wie Sie mit dem Anlegen beginnen können, klicken Sie bitte hier.

Aber wie sieht es nach der Krise aus?

Laut der Ratingagentur Moody's wird die Covid-19-Pandemie noch in den kommenden Jahren weitreichende Auswirkungen auf den Finanzsektor haben, insbesondere auf die Art und Weise, wie Investoren und Unternehmen mit Risiken umgehen und wie sie sich zunehmend auf ESG-Faktoren konzentrieren werden.[9] Der Trend zur Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung war schon vor Beginn der Krise in vollem Gange, nur hat sich durch die Pandemie die Aufmerksamkeit auf ökologische, soziale und Governance-Faktoren weiter fokussiert. In unserer sich schnell verändernden Welt erweisen sich Unternehmen und Projekte, die nach nachhaltigen, d.h. ESG-basierten Prinzipien geführt werden, als widerstandsfähiger und damit sind sie besser in der Lage, langfristig stabilere Renditen zu erzielen.

Dass nachhaltiges Anlegen gerade in der Schweiz sehr ausgeprägt ist, ergibt sich aus einer langjährigen Tradition im nachhaltigen Finanzwesen, nicht zuletzt dank einer Offenheit, die es erlaubt, neue Trends frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, verbunden mit stabilen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Das Ergebnis ist ein finanzwirtschaftliches Umfeld, das durch kluges Investieren zu einer nachhaltigeren Welt beiträgt und immer wieder unter Beweis stellt, dass Absicherung der finanziellen Zukunft und verantwortungsbewusstes Handeln im Sinne von Umwelt und Gesellschaft Hand in Hand gehen können.

Diese Informationen sind nicht als Prognose, Forschung oder Anlageberatung gedacht und stellen weder eine Empfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten oder zur Annahme einer Anlagestrategie dar. Die geäußerten Meinungen entsprechen dem Stand von September 2020 und können sich entsprechend ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen künftig ändern.

Über die Umfrage: Der BlackRock People & Money-Bericht handelt von Entwicklungen, Erkenntnissen und Chancen. So wie sich die Welt verändert, verändert sich auch das Denken über Geld. Deshalb haben wir über diese komplizierte Beziehung mit Menschen rund um den Globus gesprochen. Dies ist ihre Geschichte. Und je mehr wir zuhören, desto besser können wir handeln. Diese Umfrage wurde mit Unterstützung von Kelton Global, einem unabhängigen Forschungsinstitut, zwischen November 2019 und Januar 2020 mit 26.814 Befragten in 18 Ländern durchgeführt. In der Schweiz nahmen 1.020 Personen im Alter von 25-74 Jahren an der Umfrage teil. Insofern als die COVID-19-Krise neue Trends aufgedeckt bzw. bestehende verschärft oder Erkenntnisse über die Beziehung zum Geld verstärkt hat, wird dies vermerkt. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie finden Sie in unserem Bericht.

[1]*Englisch für Environmental, Social and Governance; steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung bzw. Governance. Bei der ESG-Integration geht es um die Explizite Einbeziehung von ESG-Kriterien bzw. -Risiken in die traditionelle Finanzanalyse. Dahinter steckt die Überlegung, dass verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte eine finanzielle Relevanz aufweisen, die sich unmittelbar auf den Unternehmenserfolg auswirken. Die ESG-Integration vereint somit Positiv- und Negativkriterien und kann einzelne, ausgewählte Kriterien oder weitere Kriterienkataloge umfassen. Quelle: Forum Nachhaltige Geldnanlagen – Glossar
[2]Morningstar, August 2020
[3]IFZ Sustainable Investments Studie, September 2019
[4]Morningstar, Juli 2020
[5]FNG Marktbericht 2010, September 2010
[6]Swiss Sustainable Finance Swiss Sustainable Investment Market Study 2020, Juni 2020
[7]Nachhaltiges Finanzwesen: Aktionsplan der Kommission für eine umweltfreundlichere und sauberere Wirtschaft, März 2018
[8]Morningstar, August 2020
[9]Moody’s Investors Service, Juni 2020