Es ist soweit: Welches Weihnachtsgeschenk bringt die Fed?

Die letzte Woche stand aus Sicht der Finanzmärkte nicht so sehr im Zeichen klassischer Makro-Indikatoren, denn meist ist es an der Datenfront um diese Zeit des Monats eher ruhig. Wenn überhaupt, gab es weniger Erfreuliches zu berichten. So erholte sich die Industrieproduktion in Deutschland im Oktober viel weniger als erwartet, und vor allem die chinesischen Handelsbilanzzahlen sorgen für Stirnrunzeln unter Analysten. Es mehren sich die Anzeichen dafür, daß die Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität im Reich der Mitte heftiger verläuft als lange Zeit angenommen.

Den Vogel abgeschossen haben in der letzten Woche aber die Makrodaten aus Japan. Hatten wir vor wenigen Wochen an dieser Stelle noch einigermaßen besorgt konstatiert, daß Japan mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal formal zurück in die Rezession gerutscht war, kam letzte Woche die überraschende Erleichterung. Von Rezession kann keine Rede sein. Statt um anualisiert -0,8% geschrumpft zu sein, soll nun das japanische BIP um 1,0% zugelegt haben, vor allem, weil die Investitionstätigkeit unter- und der Lagerabbau überschätzt worden war. Solche Revisionen sind durchaus nichts Ungewöhnliches, nur erstaunt das extreme Ausmaß. Investoren sind berechtigtermaßen verwirrt und nehmen einmal mehr als Erkenntnis mit, daß man nicht zu viel in die Statistiken der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hineininterpretieren sollte.

Die laufende Woche begann nun gleich mit etwas Aufhellung der Wirtschaftlage in Japan. Der Tankan, sozusagen das japanische Äquivalent des deutschen Ifo-Index, lag mit +12 leicht oberhalb der Markterwartung. Aber dies war bei weitem nicht die einzige Zahl, die in dieser Woche das Potential hat, die Märkte zu bewegen. Es schließen sich wichtige Sentiment-Indizes an wie der ZEW- und Ifo-Index für Deutschland sowie die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und deren größte Länder. Darüber hinaus bringt diese Woche Aufschluß darüber, wie sich die Inflation in der Eurozone im November entwickelt hat. Möglicherweise lassen sich Anzeichen erahnen, ob die EZB doch noch einmal nachlegen wird.

Was ist aus Sicht der Anleger besonders wichtig?

Womit wir beim mit Abstand wichtigsten Thema dieser Woche wären, der Zentralbankpolitik und, ganz speziell, der Zinsentscheidung der Fed. In nahezu jedem der vergangenen Wochenausblicke haben wir geradezu auf diese Entscheidung hingefiebert, und nun wird sie verkündet, am Mittwoch um 20 Uhr. Es folgt die Pressekonferenz um 20:30 Uhr, in der Frau Yellen, wie wir denken, ein moderates weiteres Vorgehen, ganz abhängig von der Datenlage, ankündigen wird. Da wir denken, daß die Fed den Zinskorridor leicht – um 25 Basispunkte - nach oben schieben wird, dürfte für einige Volatilität an den Märkten gesorgt sein. Für den unwahrscheinlichen Fall (immerhin preist der Markt den lange erwarteten Zinsschritt inzwischen zu über 75% ein), daß es sich die Fed doch noch einmal anders überlegt, würden wir eine schwer enttäuschte Reaktion bei Aktien und US-Dollar erwarten. Der entsprechende Sprung im Euro dürfte dann auch heftige Verwerfungen in Europa nach sich ziehen.

Wahrscheinlicher aber ist, daß die Fed den Lift-off wagt und zum ersten Mal nach über neun Jahren die Zinsen wieder anhebt. Am Tag darauf hat dann gleich die Bank of Japan die Gelegenheit, mit ihrer Zinsentscheidung auf diese schöne neue Zentralbankwelt zu antworten.