Kehrt Vertrauen zurück?

Ein Wochenplus von 5,7 % beim DAX und 3,7 % beim Dow Jones Industrial – das hat es schon länger nicht mehr gegeben. Für den Dow Jones war das der höchste Wochengewinn seit mehr als acht Monaten, für den DAX sogar der größte seit Dezember 20111. In den USA machten speziell Rohstoffwerte einen Satz nach oben, getrieben von einem deutlichen Preisanstieg bei Öl und anderen Rohstoffen, etwa Zink. In Europa nutzen Anleger in Erwartung einer anhaltend lockeren Geldpolitik die niedrigen Kurse für einen Einstieg, besonders zyklische Werte profitierten.

Auslöser für die insgesamt positivere Stimmung an den Märkten waren Meldungen aus China und anderen Schwellenländern, wo sich die Währungen stabilisierten und die Aktienkurse kräftig zulegten. Die Konjunkturdaten sowohl in den USA als auch in Europa fielen unterdessen eher enttäuschend aus. So hat sich die Stimmung im US-Dienstleistungssektor im September überraschend stark eingetrübt: Der ISM-Einkaufsmanagerindex ist von 59 Punkten im Vormonat auf 56,9 Punkte gefallen, erwartet worden war ein Rückgang auf 57,5 Punkte2.

Zudem nahm der IWF seine Wachstumsprognosen zurück und geht für 2015 jetzt nur noch von einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,1 statt 3,3 % aus. Die Prognosen für das BIP-Plus in den USA wurden für 2015 zwar von 2,5 % auf 2,6 % angehoben, für 2016 aber nach unten korrigiert, und zwar von 3 % auf 2,8 %3. In Deutschland gingen die Auftragseingänge für die Industrie im August gegenüber dem Juli um 1,8 % zurück, Analysten hatten mit einem Anstieg um 0,5 % gerechnet4.

Das alles bestärkte allerdings die Hoffnung auf eine Verschiebung der US-Leitzinsanhebung, was die Märkte beflügelte. Dazu kam noch das am Donnerstag veröffentlichte Protokoll der US-Notenbanksitzung vom September. Dieses wurde dahingehend interpretiert, dass mit einer Zinswende nicht allzu bald zu rechnen ist.

Gut kam auch die Einigung beim Freihandelsabkommen der Pazifikanrainerstaaten TPP an – nicht nur in Asien. Immerhin stehen die zwölf Unterzeichner (die USA, Japan, Australien, Brunei, Kanada, Chile, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam) für 26 % des weltweiten Handels5. Allerdings ist TPP damit noch nicht beschlossen, die Länderparlamente müssen noch zustimmen.

Was die gerade begonnene US-Berichtssaison angeht, sind die Erwartungen mittlerweile gering: Analysten prognostizieren für das dritte Quartal sinkende Umsätze und ein Gewinnminus von 5 %, vor drei Monaten waren sie noch von minus 1% ausgegangen6. Verantwortlich dafür ist vor allem der Energiesektor, doch selbst außerhalb der Öl- und Gasbranche wird lediglich mit stagnierenden Ergebnissen gerechnet.

Was bedeutet das für Anleger?

Nach den von Verlusten geprägten Monaten bis September hat der Oktober gezeigt, dass Märkte auch wieder für positive Botschaften zugänglich sind. Das ist für Aktienanleger zumindest keine schlechte Nachricht.

Was können Anleger tun?

Eine Phase der Erholung nach Rückschlägen sollte allerdings nicht verwechselt werden mit der Rückkehr zu den "goldenen Zeiten" der vergangenen drei Jahre, in denen attraktive Aktienrenditen bei äußerst geringer Volatilität möglich waren. Anlegerportfolios müssen nach wie vor auf hohe Schwankungen vorbereitet sein.

Quellen:
1dpa-AFX 9.10.2015
2Institute for Supply Management
3IMF World Economic Outlook October
4Statistisches Bundesamt Wiesbaden
5BlackRock
6BlackRock