Nächstes Event-Risiko: Italien

Aktien- und Rentenmarktteilnehmer sind mehrheitlich zu dem Schluß gekommen, daß der nächste US-Präsident vielleicht doch gar nicht so schlimm wird wie seine Wahlkampfauftritte befürchten ließen. Zumindest gut fürs Geschäft könnte er sein, sagen sich viele, und so preisten die Märkte Donald Trumps kurzfristige Versprechen von Steuersenkungen, Deregulierung und massiven Infrastrukturinvestitionen großzügig ein. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen lagen zum Ende letzter Woche wieder um rund zehn Basispunkte über dem Niveau des Jahresanfangs. US-Aktienindizes finden sich bei 8-10% im Plus, vier der bedeutendsten Indizes erreichten letzte Woche sogar neue Allzeithochs. Zwar dürfte sich die Euphorie von nun an legen, weil abgewartet wird, was der neue Präsident von allen seinen Ankündigungen wirklich umsetzt. Außerdem kann es weitere Unsicherheit im Zuge der anstehenden Neuauszählung in mehreren Bundesstaaten geben, aber unterm Strich bleibt es bei der bemerkenswerten Ruhe, mit der Finanzmarktteilnehmer auch die kontroversesten Politikrisiken zur Kenntnis nehmen. Der Goldpreis bröckelt, und die Aktienvolatilität verharrt im tiefenentspannten Bereich.

Dabei steht das nächste Eventrisiko schon vor der Tür: Am Sonntag entscheiden die Italiener in einem Referendum über die von der Regierung  vorgeschlagene Reform des Senats, der zweiten parlamentarischen Kammer. Gelingt die Reform, können künftige Regierungen mit ihrer Mehrheit in der Abgeordnetenkammer Reformvorhaben viel schneller und problemloser beschließen als in der Vergangenheit, in der kontroverse Strukturreformen oft endlos diskutiert und am Ende stark verwässert wurden. Gerade dieses neue „Durchregieren“ nach der Senatsreform geht vielen Italienern aber zu weit, ein Scheitern des Referendums am Sonntag ist daher wahrscheinlich. Tritt dieser Fall ein, erwarten wir einen Rücktritt des Ministerpräsidenten Matteo Renzi und das Risiko anschließender politischer Instabilität. All dies wäre Gift für italienische Aktien und Anleihen, zumal die problematische Kombination von hoch verschuldetem Staatshaushalt und angeschlagenen Banken kein Machtvakuum erlaubt.

Angesichts des Referendums zur italienischen Senatsreform tritt ein anderes Politikereignis am 4. Dezember etwas in den Hintergrund. Zu Unrecht. Die Wahl eines neuen Präsidenten in Österreich hat nämlich ebenfalls das Potential, Europas Politiklandschaft auf der schiefen Ebene des Populismus ein ganzes Stück weiter Richtung Abgrund zu befördern. Sollte doch noch der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer das Rennen machen, könnte dies anti-europäischen Strömungen Aufwind geben und die Gefahr eines „Öxit“ befördern, besonders im Fall einer vorzeitigen Auflösung des Nationalrates und nachfolgender Neuwahlen schon 2017. Mit diesem Szenario hatte Hofer im Wahlkampf gedroht.

So geht auch der letzte Monat dieses aufregenden Kapitalmarktjahres mit politischer Hochspannung zu Ende. Und mit den überraschend entschiedenen Vorwahlen der Konservativen in Frankreich und Angela Merkels Verkündung ihrer erneuten Kandidatur werfen schon die großen politischen Ereignisse des Jahres 2017 ihre Schatten voraus.   

Was bedeutet das für Anleger?

Angesichts der hohen Dichte politischer Ereignisse geraten ökonomische Daten derzeit leicht in Vergessenheit. Dabei hat sich sowohl die europäische als auch die US-Volkswirtschaft  in der letzten Woche mit robusten Zahlen präsentiert. Die entsprechenden Einkaufsmanagerindizes für November lagen durch die Bank bei soliden Werten jenseits der 50, und deutscher Ifo sowie amerikanische Auftragseingänge boten auch keinen Grund zur Klage. In dieser Woche stehen vor allem Inflationsdaten auf dem Zettel. Für Deutschland und die Eurozone sollte sich die Jahresteuerung weiter leicht beschleunigen, auf immerhin wieder 0,8% und 0,6%. Kräftiger steigen die Preise bereits in Amerika, wo der Kernindex für die persönlichen Konsumausgaben bei 1,7% liegt. Bleibt er in dieser Größenordnung oder steigt leicht weiter, dürfte dies die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung seitens der Fed am 14. Dezember weiter erhöhen. Gleiches gilt für den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, der ebenfalls stark im Fokus der Notenbank steht. Zwar erwartet der Marktkonsens 175.000 neugeschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft, aber auch eine Zahl deutlich darunter sollte schon genügen, um die Fed für ihre Dezembersitzung auf Kurs halten.