Neues Jahr, alte Muster

Zunächst möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Ihnen ein frohes, gesundes und hoffentlich erfolgreiches neues Jahr 2016 zu wünschen.

Ein turbulentes Börsenjahr liegt hinter uns und bereits zum jetzigen Zeitpunkt steht zu vermuten: Es wird auch 2016 turbulent bleiben, denn von einem ruhigen „Aufgalopp“ konnte in der ersten Börsenwoche des neuen Jahres keine Rede sein. Im Gegenteil: Bereits in den ersten Handelstagen des Jahres 2016 sorgten die chinesischen Aktienmärkte für einen Paukenschlag. Im Nachgang an die Veröffentlichung enttäuschender Einkaufsmanagerindizes aus dem Reich der Mitte sackte der chinesische Aktienmarkt schon am Montag um sieben Prozent nach unten. Auch das Damoklesschwert in Form des bevorstehenden Endes des Mitte 2015 verhängten Aktien-Verkaufsverbots für große Investoren dürfte hier eine entscheidende Rolle gespielt haben. Als Reaktion auf den Ausverkauf setzen die zuständigen Behörden in China zwischenzeitlich den Handel aus und staatliche Fonds sahen sich im Wochenverlauf zu Stützungskäufen gezwungen. Am Donnerstag wiederholte sich das Geschehen. Unweigerlich kamen unter Investoren Erinnerungen an den Sommer des vergangenen Jahres hoch, in dem chinesische Aktien massiv an Wert einbüßten. Genau wie damals waren wiederholt Sorgen über die wirtschaftliche Potenz der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Auslöser der Verkaufsschwemme. Und genau wie damals verstärkte eine Art Herdentrieb die Abwärtsbewegung.

Fakt ist, dass der Übergang der chinesischen Wirtschaft hin zu einer stärker konsumorientierten Volkswirtschaft nicht ohne Reibungsverluste vonstattengehen kann. Neben der Fortsetzung dieser Liberalisierung der Finanzmärkte bleibt aus unserer Sicht eine ausgewogene Balance zwischen Reformen auf der einen und Wachstum auf der anderen Seite die schwierigste aber gleichzeitig auch wichtigste Aufgabe der chinesischen Politik. Wir sind jedoch der Meinung, dass dieser Spagat im Großen und Ganzen gelingen kann. Hierfür spricht auch, dass der Administration in Peking noch genügend Beinfreiheit im Hinblick auf die Stimulierung des Wachstums bleibt.

Europas Märkte konnten sich ähnlich wie 2015 auch in der vergangenen Woche nicht von den Entwicklungen in China abkoppeln. Der Dax verlor allein am ersten Handelstag 2016 über vier Prozent an Wert und befand sich damit in guter Gesellschaft anderer europäischer Aktienindizes.

Hierzulande bleibt zudem die niedrige Preissteigerungsrate ein wichtiges marktbeherrschendes Thema. Insgesamt stagnierten die Preise in der Eurozone im vergangenen Jahr, sodass der Druck auf die EZB trotz der im Dezember ergriffenen Maßnahmen hoch bleiben dürfte. Somit verwundert auch nicht, dass die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar jüngst erneut an Boden verloren hat und die Parität zwischen Euro und Dollar vor dem Hintergrund divergierender Geldpolitik wieder in Schlagdistanz gerückt ist.

Was bedeutet das für Anleger?

Die Fortsetzung der Korrektur am lokalen chinesischen Aktienmarkt zeigt, dass dort offenbar noch kein Boden gefunden wurde. Ein Blick auf das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis lokaler Aktien (A-Aktien) im Vergleich zu den in Hongkong gelisteten Titeln (H-Aktien) sowie das offenbar dramatisch schwindende Maß an Vertrauen unter den Anlegern suggeriert weiteres Abwärtspotenzial für den lokalen Markt. Hohe Schwankungen bieten jedoch grundsätzlich auch Opportunitäten bei selektiven Aktienstrategien („Stock Picking“). Für europäische Aktien bleibt der Ausblick dank erneuter positiver fundamentaler Vorgaben aus Europa weiterhin gut.

Kurzfristig dürften allerdings neben den „China-Sorgen“ auch die schwelenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten weiter für ein erhöhtes Maß an Unsicherheit sorgen. Sichere Häfen wie etwa deutsche Staatsanleihen könnten daher abermals gesucht sein.